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Telepflege – Betreuung per Video?

28. April 2021 4 min. Lesezeit

Telepflege – Betreuung per Video?

Zeit für einen Wandel in der Pflege

Digitalisierung ist in aller Munde. Nicht erst seit Corona. Normalerweise denkt man dabei an Software und Cloud und Prozesse. Das ist aber gerade mal der Anfang. Im Rahmen von Digitalisierung eröffnen sich wunderbare neue Welten auch in der Pflege und speziell der Telepflege. Wirkliche Chancen für eine echte patientenzentrierte Betreuung, für neues Denken und ein anderes Arbeiten. In diesen Zeiten wird sich entscheiden, wer diese Chancen für sich nutzt und sich ihnen offen zuwendet und so seine Zukunft auf erfolgreiche innovative Beine stellt.

Die Chancen der Telepflege nutzen

Natürlich kann man Patienten nicht aus der Ferne pflegen. Aber denken Sie verschiedene Szenarien einmal weiter. Eine Pflegehilfskraft ist im Einsatz und es ergeben sich Fragen. In aller Selbstverständlichkeit können Sie Ihre Pflegedienstleitung, eine Pflegefachkraft oder vielleicht Ihr Wundmanagement noch vor Ort beim Patienten hinzuziehen. Denken Sie an die Kommunikation mit dem Patienten und mit seinen Angehörigen. Denken Sie an Fallbesprechungen zwischen Pflege, Patient und Arzt. An eine Televisite, die den Hausbesuch ersetzt. An die Besprechung in der Auswahl von Hilfsmitteln. Oder an Schulungen, von Angehörigen ebenso wie von Pflegekräften. Telepflege bringt so viele Vorteile in den Alltag eines Pflegedienstes. Lösen Sie sich von „das haben wir aber immer schon so gemacht“, stellen Sie sich auf die grüne Wiese vor Ihrem Büro, betrachten Sie Ihre Prozesse einmal ganz neu von außen.

Vorteile liegen in der schnellen Absicherung in unsicheren pflegerischen Situationen. Im vereinfachten fachlichen Austausch. In der Verbesserung von Abläufen, Reaktionszeiten oder nicht unerheblicher Senkung von Kosten durch eine andere Arbeitsweise. Denn nicht alle müssen immer überall hinfahren. So ist man tatsächlich trotz des kleinen Wörtchens „Tele“, was ja im Griechischen so viel wie „fern“ bedeutet, näher am Patienten. Man kann sich auf die wirklich wesentlichen Dinge konzentrieren und so mit all diesen prozessualen Vorteilen die eigentliche Pflege verbessern.  Die Vorteile der Telepflege potenzieren sich noch im ländlichen Raum, wo eine flächendeckende ganzheitliche Versorgung mit Mehrwert entstehen kann. Tatsächlich ist das Potential einer Telebetreuung für die Pflege riesig.

Praktikabilität – was heute schon in der Telepflege geht

Natürlich fragt man sich, wie man das denn abrechnen kann. Die Vollmundigkeit eines runden, digitalen Versorgungskreislaufes – und er wird in absehbarer Zeit kommen – verlangt dennoch nach praktischen Wegen im Heute. Tatsächlich ist heute schon geregelt, dass ärztliche digitale Sprechstunden den analogen gleichgestellt und deswegen genauso abgerechnet werden können. Videofallkonferenzen sind auf der ärztlichen Seite auch bereits integriert, z.B. in der Gebührenordnungsposition 01442.

Wie so häufig ist das mit der Pflege nicht ganz so deutlich geregelt, die pflegetechnische Vergütung ist noch nicht gesetzlich verankert. Im digitalen Versorgungs- und Pflegemodernisierungsgesetzt wird gerade weiter daran gearbeitet. Grundsätzlich sind die Regeln noch nicht genau definiert, aber es gibt schon erste Verträge mit Krankenkassen. Wir raten Ihnen, bei den einzelnen Versorgungswerken konkret anzufragen.

Technik – bei weitem kein Hexenwerk

Gute Anbieter arbeiten geräteunabhängig. Egal, ob Sie am Desktop im Büro sitzen oder unterwegs mit Laptop, Tablet oder Smartphone arbeiten. Alle Lebenswelten müssen für die Nutzung der Telepflege natürlich abgebildet werden. In der Regel reichen Verbindungen von 4 Mbit/Sek und in den meisten Regionen liegen sie bereits über 50 Mbit. Natürlich benötigen Sie eine Internetverbindung, Geräte mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher und dazu einen aktuellen Browser. Das Übliche eben, wie z.B. Chrome, Firefox, Edge oder Safari. Je nachdem in welcher Region Sie arbeiten, wäre es hilfreich, Sie würden sich im Internet einmal eine Netzabdeckungskarte für Ihr Gebiet anschauen, um festzustellen, welcher Provider für Sie die besten Bedingungen bietet.

Ansprechpartner hierfür – unser Kooperationspartner SynoGroup

Datenschutz – ein sensibles Thema auch für die Televisite

Hier geht es um medizinische Kommunikation und um Patientendaten. Ganz heikel, hochsensibel. Schon viel ist geregelt in den Bundesmanteltarifen für Ärzte oder Psychotherapeuten und wird von dort übernommen auch für die Kommunikation für Heil- und Hilfsmittelerbringer, Hebammen und den Bereich der Pflege. Das ist ja auch sinnvoll, denn das Rad muss nicht immer neu erfunden werden. Hier ist ganz wichtig die Anlage 31b. Für Videotelefonie im Gesundheitswesen benötigen sämtliche Anbieter die Zertifizierung und Zulassung durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung. Derzeit sind dort 44 Anbieter gelistet und auch nur diese dürfen eingesetzt werden. Schlagen Sie einfach „KBV Videosprechstunde“ einmal nach, Sie finden dann die Auflagen, die man dafür erfüllen muss.

Telepflege Anbieter und Systeme – sicherer als Online-Banking

Machen Sie sich vorab schlau, wen Sie an Ihrer Seite haben wollen. Hier kommen ein paar Kriterien, auf die Sie achten sollten:

  • Wie einfach, wie flexibel und wie sicher ist das System?
  • Ist eine gute Stabilität gewährleistet?
  • Welche Erfahrung besitzt der Telepflege Anbieter? Welche Referenzen? Und wie sicher kann er Sie in die Zukunft begleiten?
  • Achten Sie darauf, dass Sie ohne spezielle Technik einfach loslegen können
  • Lassen Sie sich nicht locken von dem Attribut „kostenlos“, es ist wichtig, dass Sie feste Ansprechpartner in Ihrer Nähe haben, die nicht nur einfach eine Software programmieren. Sie brauchen in diesem Feld Partner, die Ihre Branche und die deutschen Gesetze und Verordnungen kennen und die in der Gesundheitsbranche zuhause sind, um alle Beteiligten auch gut zusammenbringen zu können.
  • Besteht eine KVB Zertifizierung
  • Ist die Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag für Ärzte erfüllt
  • Gibt es eine DSGVO Konformität
  • Liegt der Serverstandort in Deutschland
  • Besteht eine Qualitätszertifizierung

Wenn alle diese Kriterien erfüllt sind, dann kann man eigentlich sagen, dass Sie mit einem guten Anbieter für Telepflege sicherer unterwegs sind als beim Online-Banking. Das will ja schon etwas heißen.

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Andreas Taeker ist Marktexperte für ambulante Pflegedienste, Betreuungsdienste und weitere Berufe aus dem ambulanten und teilstationären Pflegesektor. Er organisiert und begleitet in dieser Funktion unter Anderem die Expertenforum Pflege Online-Seminare.